Wolle aus Südamerika, was Sie wissen sollten

Auch in Südamerika wird die Wollproduktion im Wesentlichen durch die Schafzucht bestimmt. Darüber hinaus gibt es jedoch nennenswerte Aspekte, welche auch die traditionelle Wollproduktion in der Andenregion favorisieren.
Bereits vor etwa 6000 Jahren begannen die Präinkakulturen wild lebende Guanacos und Vicunas zu domestizieren. Die daraus hervorgegangenen Lamas und Alpacas werden heute immer noch in gleichem, traditionellem Wissen gezüchtet und genutzt und stellen unverändert den wesentlichen Einkommensfaktor für die einheimische Landbevölkerung der Andenstaaten dar, die zu den ärmsten der Welt gehört.
Aus ökologischer Sicht ist ebenfalls bedeutungsvoll, dass die südamerikanischen Kameliden extremen Witterungsbedingungen angepasst sind (Hochgebirge der Anden, Halbwüsten des Altiplanos, Patagonien). Sie sind in der Lage, die oft spärliche Nahrung über ein hocheffektives Verdauungssystem nahezu verlustfrei in Energie um zu wandeln. Darüber hinaus zerstören die einheimischen Kameliden im Gegensatz zu Schafen und Ziegen weder Gräser und Flechten, da sie auf Grund der speziellen Funktionsfähigkeit ihrer Lippen und Form der Zähne das Wurzelwerk im Boden zurücklassen. Auch tragen sie, bedingt durch die weiche Zehenpolsterung nicht wie Schafe und Ziegen mit harten Hufen zur Bodenerosion bei.
Die traditionelle Wollproduktion trägt den wesentlichen Beitrag zur Einkommenssicherung eines großen Anteils der Landbevölkerungen Perus, Boliviens, aber auch Argentiniens und Chiles: vom Viehzüchter und Hirten über das Scheren des Fells, das Sortieren und Reinigen der Wolle, das Spinnen und Garnen sowie die Einfärbung bis hin zur Herstellung von Stoffen reicht die Palette der typischerweise manuellen Tätigkeiten.

Lama: das größte der 4 südamerikanischen Kameliden, gibt alle 2 Jahre etwa 2 Kg Wolle von variierender Faserstärke (16-80 Mikronen). Damit entspricht feine Lamawolle etwa der Qualität von Kashmirwolle. Lamawolle gilt als sehr leicht, warm, reißfest und hat den Vorteil, nicht entfettet werden zu müssen, da es nur aus Proteinen besteht. Als Nachteil dieses Naturproduktes ist die Lichtempfindlichkeit der Fasern beschrieben, die nicht von der Färbung beeinflusst werden kann und auch für die anderen Vertreter gilt.

Vicuna: das kleinste der südamerikanischen Kameliden, wild lebend. Es liefert alle 2 Jahre etwa 200g feinster Wollfasern, die von keiner anderen Art auf der Welt an Qualität übertroffen werden (Faserstärke 10-12 Mikronen). Diese Wolle wird auf traditionelle Weise, wie bereits durch die Inkakultur überliefert, im Rahmen des sogenannten Chaccu gewonnen. Hierbei werden die Tiere in Korralls getrieben, geschoren , und wieder in die Freiheit entlassen. Nur derart gewonnene Wolle erhält die Zertifizierung durch CITES (convention on international trade in endangered species).

Alpaca: Ist von mittlerer Größe, 80% der Gesamtpopulation wird in Peru gezüchtet, und liefert jährlich etwa 3-6kg Wolle unterschiedlicher Qualitätsgrade, wobei feinere Qualität etwa der von Merinowolle vergleichbar ist (Baby-Alpaca, Royal Alpaca). Neben einer guten Wärmeisolation und gutem, Wasser abweisendem Verhalten bei fehlendem Fettanteil gilt die Wolle von Alpaca als sehr reissfest und schwer entflammbar.

Guanaco: Ist wild lebend, eine artgerechte Wollgewinnung ist bisher nicht gegeben, sodass nur in Ausnahmefällen eine Zertifizierung durch CITES ausgestellt wird. Um einer Extinktion vorzubeugen, sollte diese Wolle bis auf weiters nicht gehandelt werden.